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 Wohnen wie Napoleon Bonaparte 

Fort im Var wartet auf neuen „Kommandeur“

 
Wohnen wie Napoleon Bonaparte, Schwimmen im Wehrgraben – dieser Traum von der eigenen Trutzburg könnte auf der malerischen Insel Levant vor Le Lavandou im Var sehr schnell Wirklichkeit werden. Denn der derzeitige "Schlossherr" – ein Deutscher in den Achtzigern – muss sich aus Altersgründen von der geschichtsträchtigen und behutsam restaurierten Festung von 1820 (Fort Napoleon) lossagen, von der man einen paradiesischen Rundumblick auf die Côte d´Azur, die anderen Hyèrischen Inseln sowie das offene Meer genießt.
Der frühere Wehrgraben wurde maßstabsgerecht in einen Swimmingpool umgestaltet. In der Mitte die "Zugbrücke"
Vom Wohnzimmer aus könnte man aus alten Scharten schießen, zumal auf dem Grundstück noch eine echte Kanone rostet, deren Kugeln heute als Türstopper dienen. Ebenso „wirklich“ wird auch zurückgeschossen. Denn im nahen Centre de Recherche des französischen Raketenversuchszentrums werden bis heute Waffen entwickelt und - von Zeit zu Zeit dumpfbullernd - ausprobiert. Der historische Wassergraben des Forts ist teilweise zugeschüttet. Der Rest ist in seinem früheren Grundriss erhalten und dient nun als moderner Swimmingpool, wobei die Zugbrücke als Sprungbrett herhält.
Monsieur Pellen weist mit seinem Stock nach Westen, Richtung Klippen der Nachbarinsel Port-Cros: Da drüben, auf dem Fort des Port-Man, wohnt in natürlicher Abgeschiedenheit der Pariser Umweltschützer Yann Arthus-Bertrand, der als Fotograf spektakulärer Luftaufnahmen berühmt geworden ist. Und dahinter, am nahen Festland, erkennt man deutlich auf schroffem Fels das einstige Fort de Bregancon, inzwischen offizielle Sommerresidenz des amtierenden französischen Staatpräsidenten. Und zur Rechten liegt - mit bloßem Auge gut zu sehen - das Elternhaus von Carla Bruni. Dort soll selbst der hektische Nicolas Sarkozy entspannen können, der mit Pellen immerhin den Traiteur (Dequidt aus Le Lavandou) gemeinsam hat, im übrigen aber vielen nur noch durch den „Napoleon-Komplex“ in Erinnerung sein dürfte. Auch Errol Flynn, der von der Île du Levant so schwärmte, ist heute weithin vergessen.
Pellen und seine Frau bringen schon „seit Menschengedenken“ ihre Freizeit in dieser Gegend zu, bis sie vor gut dreißig Jahren das Fort entdeckten. Weil sie reif für die Insel waren, verheimlichten sie selbst Freunden, für welche. Denn sonst wär´s vielleicht vorbei gewesen mit der himmlischen Ruhe, die nur von einem einzigen Geräusch gestört werden darf - dem der Navette, die Neuankömmlinge alle paar Stunden vom Hafen aus den Berg hoch kutschiert. Es gibt zwar noch ein zweites Auto auf Levant - der Dienstwagen des Dorfsheriffs. Aber der ist elektrisch und macht keinen Mucks.
Die „Hauptverkehrsstraße“ Aygade- nur wenige Zentimeter breiter als die Navette - führt steil nach oben Richtung Place Durville, Dreh- und Angelpunkt des winzigen Héliopolis. Die Durvilles - André und Gaston - waren Brüder, die vor genau 80 Jahren dieses erste reine Nudistendörfchen Europas gegründet und das im letzten Krieg von amerikanischen Bomben ramponierte Fort Napoleon bezogen hatten. Zwei von den Nakedeis, die lieber Naturisten genannt werden möchten.
Monsieur Pellen, der sein Fort von einem Neuseeländer übernahm, hat sich in der Muße seines Seins unterdessen beträchtliches historisches Wissen angeeignet. Speziell über Napoleon - wen wundert´s? - kann ihm keiner mehr was vormachen. Der Korse stammte ja aus dieser gottbegnadeten Gegend. Nachdem er in seiner Heimat militärisch gescheitert war, hatte er sich zu seinem südfranzösischen Regiment zurückgerettet. Als Kommandant der Artillerie gelang es ihm 1793, Toulon im Sturm von aufständischen Revolutionären und Royalisten zu säubern und die sie unterstützende britische Flotte in die Flucht zu schlagen, die die Stadt nur allzu zu gern als Brückenkopf genutzt hätte.
Nach diesem Triumph war Napoleons Karriere nicht mehr aufzuhalten: Mit 24 Jahren wurde er Brigadegeneral und übernahm das Kommando über die 40 000 Mann starke Artillerie der in Nizza stationierten Italienarmee. 1794 setzte er seine Bemühungen fort, die Mittelmeerküste militärisch zu befestigen. Im Januar schrieb er „citoyen“ Dupin: „Ich habe gerade die Hyèrischen Inseln inspiziert und beschlossen, den Archipel künftig stärker zu Verteidigungszwecken zu nutzen.“ Dabei äußert er ausdrücklich auch schon Pläne für ein Fort auf Levant.
Ob die Stadt Hyères-les-Palmiers, zu der Levant gehört, nicht von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen will, hat Pellen schon geklärt. „Von denen ist schon einer da gewesen. Die haben für sowas aber kein Geld.“
Fotos: ©ABCpix.net
Text: ©Rolf Liffers - Rieviera Times  FS ABCnews 26.09.2012
 

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