Hanekes neuer Film in Deutschland angelaufen - Trintignant brillant in „Liebe“

Viel Lob für einen alten Filmhelden.Jean Louis Trintignant: "Ich hatte auch mit Brigitte Bardot eine Affäre."
Die „Liebe“ feiert Triumphe. Der Film von Michael Haneke, der in Cannes dieses Jahr die Goldene Palme erhielt und jetzt für Österreich auch Oscars holen soll, ist vorige Woche in die deutschen Kinos gekommen. Die Medien sind voll des Lobes, insbesondere über den männlichen Hauptdarsteller Jean-Louis Trintignant. Dabei sind etliche weitgehend unbekannte Facetten des wirklichen Lebens dieses inzwischen 81-jährigen Urprovencalen bekannt geworden.
 
Jean-Louis Trintignant, der beim Schauspielunterricht mit gut 20 über ein Jahr brauchte, um seinen vielbelächelten südfranzösischen Akzent zu überwinden verriet in einem der vielen Artikel jetzt sogar ein Geheimnis: „Die wirklich große Liebe meines Lebens habe ich mit einer Deutschen erlebt.“ (FAZ).
Trintignant stammt aus einer wohlsituierten Fabrikantenfamilie, wächst in Pont-Saint-Esprit aus. Sein Vater, der die Résistance unterstützt, ist dort Bürgermeister, bis er geschnappt und in Marseille eingebuchtet wird. Im März 1943 wird auch seine Mutter verhaftet und kurzzeitig von der Gestapo eingesperrt.
Die Schulbank drückt Jean-Louis in Avignon. Dort macht er auch das Abitur und beginnt in Aix-en-Provence ein Jurastudium. Schon bald aber orientiert er sich um, startet in Paris eine Ausbildung an einer Filmhochschule, steht als jugendlicher Held auf der Bühne und verkörpert unter anderem den Mortimer aus Schillers Maria Stuart. Nach einer Tournee durch die Provinz wird er 1953 von Robert Hossein für den Film entdeckt. In „Gesetz der Straße“ ist er 1956 Gegenspieler von Jean Gabin. Eigentlich bekannt aber wird er im selben Jahr durch Roger Vadims „Und immer lockt das Weib“. Darin spielt er in Saint-Tropez Brigitte Bardots verklemmten Ehemann. Natürlich hat er auch real „was“ mit B.B. - jedoch: „Liebe war das nicht, vielleicht Begehren“.
Nach „Dieu créa la femme“ ist erst einmal Karrierepause: Trintignant wird zum Militärdienst eingezogen, den er teilweise in Deutschland absolviert. Der internationale Durchbruch gelingt ihm 1966 in Claudes Lelouchs „Ein Mann und eine Frau“ an der Seite von Anouk Aimée. Der Film gewinnt die Goldene Palme und den Oscar. 1968 dreht Trintignant mit Klaus Kinski, den er nicht ausstehen kann, den Italowestern „Leichen pflastern seinen Weg“. 1968 erhält er als „Der Lügner“ den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Berlin. 1969 wird er in Cannes für seine Rolle als sperriger Untersuchungsrichter in Costa Gavras Politthriller Z zum besten Schauspieler erklärt. Er arbeitet zwar an den Dialogen für Bertoluccis „Der letzte Tango in Paris“ (1972) mit, lehnt es aber ab, die Hauptrolle zu übernehmen, weil seine Tochter das Drehbuch zu versaut findet. Andererseits überredet ihn seine Tochter, in „Drei Farben: Rot“ (1994) den Part des pensionierten Richters zu übernehmen. Heute sagt Trintignant, dass ihm dieser Film mit am meisten bedeutet. 1973 steht er mit Romy Schneider in „Das wilde Schaf“ vor der Kamera.
Seit 2005 ungefähr lebt der große alte Mann des französischen Kinos ländlich-sittlich zurückgezogen. Erst Haneke gelingt es, ihn auf die Leinwand zurückzuholen: 2009 als Erzähler für die französische Fassung von „Das weiße Band“. In „Liebe“ spielt er den Mann einer Musikprofessorin, die er nach einem Schlaganfall pflegt. Der Spiegel nennt den Film „Hanekes zärtlichstes Werk“.
In erster Ehe war Trintignant mit Stéphane Audran verheiratet. Aus der zweiten Ehe mit dem ehemaligen Scriptgril Nadine gingen drei Kinder hervor. Tochter Marie wurde 2003 während Dreharbeiten in Vilnius von ihrem betrunkenen Freund im Streit erschlagen.
Der Kontakt zu B.B. ist abgerissen. Zu sehr missfiel dem Schauspieler ihre Autobiographie. „Sie hat schreckliche rechtsextremistische Ideen“. Das Denken sei „nicht so ihre Stärke“ gewesen.
Dass Sarkozy - dem Ex-Präsidenten werden in Le Lavandou die Ohren klingeln - entmachtet ist, freut den großen Mimen: „Er war ein unehrlicher Mensch, gut, dass er weg ist“, sagt er der FAZ.
 VG ABC-onlinemagazin 01.10.2012
 

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